Ist ja oft eine Frage der Perspektive in vielen Punkten. Im Thema Depression ist es allerdings oft eher letzteres.

Ich weiß, dass mir auf Twitter viele Menschen gern das Gefühl mit ein zwei Replies nehmen wollen, dass ich nichts wert bin, dass alles was ich mache falsch ist etc. Das mag auf dem ersten Blick doch total lieb gemeint sein, ist es auch.. allerdings gibt es hier ein riesiges ABER !

Denn: Ich bin immer noch depressiv. Ich bin mir der meisten Dinge bewusst, aber ich schreibe oft einfach aus dem Moment heraus wie ich mich fühle und ein wildfremder Mensch, der weder mich noch meine Geschichte kennt, hat mir nicht zu sagen, dass das was ich empfinde doch Quatsch ist, weil ich gar nicht so schlimm bin.

  1. Ja es kann sein, dass ich mich schlimmer sehe, als ich bin. Wenn das so ist, ist es an dieser Stelle aber meine Aufgabe daran zu arbeiten und kein fremder Mensch aus dem Internet, der vorher noch nie ein Wort mit mir gewechselt hat, wird mir dieses Gefühl nehmen.
  2. Es ist nie Quatsch, wenn ein Mensch sich wertlos fühlt. Es ist nie Quatsch, wenn ein Mensch sich unwohl, depressiv oder ähnliches fühlt. Im Gegenteil es ist die Realität für diesen Menschen und ihm zu sagen, dass er „falsch empfindet“ verschlimmert das oftmals nur.
  3. Floskeln.. jeder kennt sie. Diese „Alles wird gut.“ oder „Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch.“ – Das mag alles stimmen. Ok. Und – hier rede ich nun für mich, nicht für andere Menschen mit Depressionen – ich weiß das alles auch ohne, dass man mir das sagt. Fakt ist aber nun mal, dass ich im Fall nur nach unten und nicht nach oben sehe, in der Hoffnung abzuschätzen wie schmerzhaft die Landung wird und wie lange das Tief geht. Das ist meine Form von Umgang. Da brauche ich keine leeren Floskeln, die mir nicht helfen. Es gibt natürlich Menschen, denen ich dieses „Alles wird gut.“ glaube, aber diese Menschen rufe ich dann eben an oder treffe ich. Diese Menschen sind mir auf emotionaler Basis nah.

Oft sind die Worte gut gemeint, lösen aber das Gegenteil aus. Es stimmt schon, wenn man sagt, Worte haben viel Macht und können viel bewegen. Egal wie gut gemeint sie sind, sie können unerwartet ganz schlimme Dinge auslösen. Auch ein gut gemeintes „Quatsch du bist mehr wert.“ kann einem Menschen vermitteln: „Wow. Ich kann nicht mal meinen eigenen wert erkennen und kriege nichts allein hin.“

Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch einfach undankbar oder so. Dann tut es mir leid. Dennoch gilt in meinem Fall: lieber einmal mehr nichts sagen oder ein schicken, als mir zu sagen, wie toll ich bin. Denn ich muss das erkennen. Nicht ihr.

In diesem Sinn, schönen Dienstag.

– bye, Yvonne