Weil ich sowas ja ständig und auch gerade mal wieder in irgendeiner Form auf Twitter gelesen habe, muss ich mich mal kurz darüber abfucken, wie selbstgerecht die meisten Menschen sind.

Oft ersticken sie nämlich in ihrem eigenen Selbstmitleid und ihren Problemen, weil sie keinen Ausweg finden und wenn dann jemand kommt, der sich über Dinge beklagt wie das Wetter, eine Grippe/Erkältung oder Liebeskummer vielleicht sogar, dann kommt nur „Deine Probleme hätte ich gern..“

Wozu? Um mir deine aufzudrücken, die so viel schlimmer sind? Für mich stellt sich da ja oft die Frage, wer hat denn zu entscheiden, ob meine Probleme Kleinigkeiten sind oder nicht? Richtig. Niemand außer ich.

Wenn mir also zu kalt ist, ich siebzig Minuten in der Kälte frieren muss, weil mein Bus vielleicht mal wieder, wie in dieser Woche jedes Mal, nicht kommt, dann ist das beispielsweise für mich ein riesiges Problem. Nun wird der ein oder andere Leser denken „Hä? Warum denn? Dann zieh dich wärmer an.“

Also erläutere ich hier mal mein Gejammer über die Kälte, falls das mal vorkommen sollte.

  • Erst einmal hätte ich mich natürlich wärmer anziehen können in einem solchen Moment. Allerdings geht kein Mensch morgens aus dem Haus und packt sich ein für -20 Grad weil er weiß, dass jeder Bus / jede Bahn Verspätung hat oder ausfällt. Damit rechnet niemand und man geht dann auch nicht heim und zieht sich um, weil man ja glaubt, dass das Verkehrsmittel jede Minute kommen könnte.
  • Zum zweiten ist es in meinem Fall so, dass ich psychisch betrachtet eine Angststörung entwickelt habe im Bezug auf Schmerzen. Das bedeutet Kälte bringt ab einem gewissen Punkt Schmerzen mit sich: Kälte Füße / Hände die weh tun, ab einer gewissen Zeit. Ich zum Beispiel brauche dann enorm viel Energie dafür, nicht in einer Panikattacke zu enden und mein Kreislauf reagiert dann auch immer direkt. Ich kämpfe also in einer solchen Situation gegen mich, meiner Panik und meinem Kreislauf.

Nun kann der ein oder andere wieder behaupten, man könnte das alles ja in den Informationsfluss bezüglich der „Mir ist kalt.“-Aussage hineinpacken. Aber wozu? Muss denn jeder Mensch wissen – ok tun sie jetzt ich weiß – dass Kälte für mich eine emotionale Herausforderung darstellt?

Worauf ich hinaus will ist: Niemand hat das Recht jemanden zu sagen, dass das Problem – egal wie lächerlich es im eigenen betrachten wirkt – wertlos ist. Jeder geht mit Dingen emotional anders um. Natürlich gewichten wir länger andauernde Krankheiten oder Situationen als größeres Problem aber eigentlich, und mit dieser Ansicht stehe ich vermutlich sehr allein da, gibt es keine Probleme die mehr oder weniger wert sind.

Ich kann’s jedenfalls nicht mehr hören. Wenn jemand ein Problem hat, egal was es ist, nehme ich das ernst. Ich möchte das für mich schließlich auch. Und da ist es mir egal, ob der Mensch sagt er habe Hunger, ihm ist kalt oder seine Kuscheldecke ist seit der letzten Wäsche nicht mehr so flauschig.

Etwas abzuwerten gibt den meisten Menschen oft nur das Gefühl, dass sie sich lächerlich machen und ihre Emotionen und Eindrücke wertlos sind und das kann einen enormen Rattenschwanz von psychischen Belastungen hinter sich herziehen.

Einfach also für die Zukunft mehr denken und Verständnis haben, statt immer gleich zu urteilen. Dann klappt das auch mit dem miteinander.

– bye bye. Yvonne.