Und dann sitzt du da, überlegst wie lange es wohl her ist, dass du einen Blogbeitrag angefangen hast. Du kannst die Zeit nicht abschätzen, aber gefühlt muss es eine, nein sogar zwei Ewigkeiten her sein. Dir fehlen die Worte, seit Tagen, seit Wochen. Wenn nicht sogar seit Monaten. Und dennoch versuchst du es. Du tippst und löschst die Anfänge, schreibst in der „Ich-Perspektive“, in der Erzählerperspektive und nun sprichst du dich sogar selbst an. Und dennoch: Alles klingt falsch. Alles klingt leer. Alles klingt nicht danach getippt zu werden.

Die Wahrheit ist, eigentlich weißt du nichts. Nichts und alles. Es fühlt sich klar an und verschwommen. Die Worte fallen, aber sie sind nicht federleicht. Sie fallen und wiegen schwer. Du versuchst etwas zu sagen, aber schweigst. Du versuchst etwas zu schreiben, aber löschst es. Du versuchst zu atmen, aber kriegst keine Luft. Als würdest du wie in allen Punkten deines Lebens scheitern. Aber bist du je wirklich gescheitert? Oder ist es nur die Einbildung deines Selbstbilds, dass dir die Menschen jahrelang vermittelt haben?

Du denkst es nicht wert zu sein, obwohl du dir einredest, dass du es bist und immer wenn du den Gedanken greifen kannst, wirft dich jemand weg. Eine Tatsache, die dir in den letzten dreihundertfünfundsechzig Tagen oft klar wurde. Du hast versuchst zu leben, zu atmen, positiv zu denken. Doch nichts hat funktioniert. Und warum? Alles weil du abhängig bist. Abhängig davon was ausgerechnet die Menschen in dir sehen, die dich nicht wollen, weil du willst, dass sie dich wollen. Doch sie wollen nicht. Sie wollten dich vielleicht nie. Du warst gut als Wegbegleiter, aber nie als Gefährte. Ist es das was du siehst?

Und so schreibst du die Zeilen auf, denkst du könntest dich selbst mehr lieben, wenn du aufschreibst, dass du gar nicht so schlimm bist und redest dir ein, dass das alles seine Gründe hatte. Tief im Innern willst du all das glauben, aber die Zweifel sind lauter. Die Zweifel schreien mehr und wenn du eins gelernt hast, dann das immer denen geglaubt wird, die am lautesten über Unrecht und Leid schreien. Ganz gleich ob es stimmt oder nicht.

Und so sitzt du da und hoffst, dass du es irgendwann irgendwem wert bist. Obwohl du tief in dir drin nur noch glauben kannst, dass das nicht passiert. Du redest dir ein kein Verlust zu sein. Und doch versuchst du dagegen zu reden. Dir deine Überzeugung in den Arm zu meißeln und denkst, dass jede Narbe zeigt, dass du es nur den falschen Menschen nicht wert warst.

„Eigentlich verrückt, dass man immer liebt, was einen nicht liebt.“ denkst du und suchst kurz darauf die Fehler wieder bei dir. Gefangen zwischen Optimismus und den Zweifeln, die die Depression eben mit sich bringt und eigentlich wolltest du nur dass all die Menschen bleiben, die gegangen sind. Doch niemand wollte bleiben, während du niemanden verlassen kannst. Selbst wenn es schwierig ist, bleibst du bei den Menschen, weil du dich lieber mit all dem Umgibst, als allein zu sein und dann fällt dir auf, dass es nie anders war. Du warst immer allein. Damals. Heute. Morgen wirst du es auch sein.

Dennoch versuchst du dir das Gegenteil einzureden. Versuchst daran zu glauben, obwohl dich das daran glauben nur noch mehr zerstört. Dein Fundament zerbricht, die Risse sind nicht zu übersehen und egal wie oft dir jemand sagt, dass du gut bist wie du bist. Jeder Verlust zeigt dir das Gegenteil. Also sag mir dummes Ich.. warum glaubst du noch daran, dass sich etwas ändern kann? Weil du naiv bist? Weil die Depression dir nicht allen Optimismus nahm? Oder bist du einfach nur dumm?

Was auch immer es ist. Wir können beide nur hoffen, dass es bleibt. Denn solange zumindest die Hoffnung bleibt, dass du irgendwann ankommst, wirst du auch nie endgültig untergehen. Solange die Hoffnung bleibt, bekommst du noch Luft. Auch wenn es mit jedem Rückschlag immer schwieriger wird zu atmen.

Das neue Jahr liegt vor dir. Das alte Jahr liegt hinter dir. Und irgendwo dazwischen hoffst du auf die Dinge, die nicht zurückkommen oder die sich nicht finden lassen, weil du an dich glaubst und an die Menschen, die verloren gingen. Und vielleicht hast du Glück und dein Traum wird wahr, mag sein. Aber nicht mehr mit dem was war. So ist die Realität, auch wenn du sie verdrängst.

Du lebst schon immer in den Extremen. Du verdrängst immer alles Gute und Schlechte. Damit sich nichts verändert, obwohl es doch die Veränderung ist, die du dir am meisten wünscht.