Keine Ahnung ob ich das träume, das gerade wirklich passiert oder alles nur eine Illusion meiner Naivität ist, aber wo vor anderthalb Monaten noch der innigste Wunsch war, sich das Leben zu nehmen, ist heute Sonnenschein, eine Playlist mit Liedern, die Kraft geben und ein kleines, kaum gewagt auszusprechendes „Es ging mir nie besser.“

2019 begann für mich turbulentere denn je. Zwischen sich emotional von jemanden lösen zu müssen, von dem man sich gar nicht lösen will und aufgeschnittenen Armen, lag der Wunsch von Veränderung und die Kraftlosigkeit. Mein Versuch etwas zu ändern begann damit einfach nicht mehr erreichbar zu sein, für viele absolut unverständlich und wenn ich mir ansehe, wie viele Vorwürfe oder keine Antworten, auf eine Erklärung darauf, ich bekommen habe, war es der richtige Schritt. Es war absolut klug diesen Weg zu gehen. Mir wieder Zeit zu nehmen für mich. Wieder bewusst Bücher lesen, Filme gucken, Videospiele spielen, die Therapie wirken lassen und und und. Alles Dinge, die ich mit viel Ablenkung vor mich hingeschoben habe. Gerade die Therapie habe ich in den letzten Monaten doch nur noch gemacht, weil es Pflicht war, nicht weil ich Hilfe wollte. Doch irgendwann nachts zwischen zwei Impulsen wurde mir klar, dass ich die Hilfe dringen brauche, weil es sonst nicht weitergeht.

Also habe ich mir diese Hilfe gesucht, mich weggesperrt und die Zeit genommen aufzuräumen. Mich, mein soziales Leben, meine Wohnung, die Erinnerungskiste. Ich habe angefangen auszumisten und habe viele Dinge, die mich an schöne Tage mit Menschen, die nicht mehr sind, erinnerten vergraben. Nicht weggeworfen, aber an einer Stelle vergraben. Wortwörtlich. Dort wo nur ich es finden kann und vorholen kann, wenn ich es möchte. Aber auch dort, wo ich nicht zu schnell hinkommen damit ich nicht wieder falle. Es liegt also nah genug um nicht zu vergessen, aber weit genug entfernt um voranzugehen.

Ich hing in den letzten Monaten sehr in der Vergangenheit fest und habe damit einigen Menschen sehr viel zugemutet. Ich weiß dass das nicht leicht war und vor allem einer, sehr viel aushielt und auch wenn ich mich noch zehn mal dafür entschuldige, weiß ich, dass es das nicht mehr gut macht. Ich kann es zukünftig nur besser machen und froh sein, wenn ich die Chance dafür bekomme.

Alles in allem also ein guter Start ins Jahr. Er hat viel Kraft gekostet und es folgen noch viele Konsequenzen aber das gehört dazu. Mir geht es besser. Ich bin ruhiger. Ich schlafe länger und ich glaube, dass ich endlich dabei bin, den Kampf wieder aufnehmen zu können und zu gewinnen. Es bleibt also spannend. Wie immer.

Solange es also gut ist, gehen die Depression und ich zwar weiter Hand in Hand, aber diesmal führe ich und das ist ein schönes Gefühl. Ich bin bereit für 2019, bereit für das Jahr und alles was kommt. Ich freue mich sogar ein bisschen drauf.

Passt auf euch auf.

– Yvonne.