Guten Morgen.

Heute habe ich irgendwie, also in diesem Moment, die Lust mal etwas über Depressionen zu schreiben, dass sich nicht speziell auf mich und meinen Umgang bezieht, sondern vielleicht dem ein oder anderen Menschen ohne Depression hilft, es etwas mehr zu verstehen. Sicherlich werde ich daran scheitern, weil es sich weder in einem noch in unendlich vielen Zeichen erklären lässt, wie ein Mensch mit Depression tickt, aber wir können es versuchen. Also ich kann…
Tatsächlich hilft es aber auch vielleicht, dem ein oder anderen Menschen mit Depression, mehr Verständnis und Empathie für dieses Thema aufzubringen, wer weiß. Denn auch hier muss man leider gestehen, dass die Empathie / das Verständnis gerne mal fehlt, weil man aus seinem Sumpf nicht rauskommt und manchmal ungewollt andere Menschen, die das in Angriff nehmen, mit in diesen hineinziehen wollen. Aber das ist ein anderes Thema, vielleicht schreibe ich darüber auch nochmal.

Nun aber mal zum Thema.

„Die Depression (von lateinisch deprimere „niederdrücken“) ist eine psychische Störung. Typische Symptome einer Depression sind gedrückte Stimmung, negative Gedankenschleifen und ein verminderter Antrieb.“

Für viele Menschen ohne diese Krankheit beduetet das also, dass ein depressiver Mensch die meiste Zeit traurig ist oder faul. Das häufigste Wort, dass ich höre von Menschen ohne Depressionen ist „faul“. Faul, weil ich es nicht schaffe manchmal aufzustehen und mir etwas zum Essen zu machen oder duschen zu gehen und dann liege ich den ganzen Tag im Bett und verschlafe ihn. Im Kopf befindet sich Leere, die Emotionen sind zwischen „wankelmütig und schiffbrüchig“ (danke an @kleingedacht von Twitter für diesen wundervollen Tweet, der das so schön erklärt). Während also der Depressive keinen Antrieb findet und wie gelähmt unter der Last der eigenen Psyche leidet, ist die Wahrnehmung des Nichtdepressiven, dass der Mensch eben faul ist. Allerdings kennt auch ein Nichtdepressiver Mensch das Gefühl wenn die Motivation für etwas fehlt. Wenn man keinen Bock hat sich aufzuraffen, die Spülmaschine auszuräumen, sowas eben. Das ist Antriebslosigkeit. Nicht in dem Ausmaß wie er in einer Depression zu tragen kommt, aber manchmal schaut man sich vermutlich um und denkt sich „Ach was, dass kann ich auch morgen machen.“ Nun erinnert euch an dieses Gefühl, dass ihr dann bei dem Gedanken habt, wenn ihr etwas verschiebt um auf der Couch für Netflix zu bleiben. Dieses Gefühl nur zehn Zentner schwerer, haben Depressive manchmal wochenlang oder sogar dauerhaft. Es ist nicht so, dass sie es nicht wollen, es nicht versuchen. Im Gegenteil viele bemühen sich, sich dann wenigstens für eine Sache auf der „To Do“-Liste, die jeden Tag länger wird, aufzuraffen. Manchmal scheitert man aber dran, na ja oder eben öfter, und dann entstehen neue Dinge auf dieser Liste und plötzlich wirkt das ganze eben unüberwindbar und ich vermute, das ist eine persönliche Sicht keine wissenschaftliche, dass die Angst davor zu Scheitern, bei fast jedem Menschen stark verankert sitzt.

Der nächste Punkt einer Depression ist die Trauer. Trauer ist etwas, was kein Mensch pauschalisieren sollte. Denn sie wirkt sich je nach dem wie emotional ein Mensch ist, individuell aus. Ein Beispiel, dass ich heute auf Twitter bereits schrieb wäre der Verlust eines Haustieres / Menschen.

Szenariobeispiel: Angenommen das geliebte Haustier stirbt urplötzlich. Jeder Mensch, der schon mal etwas verloren hat, was ihm wichtig war, weiß wie weh das tut. Jetzt ist es so, dass es Menschen gibt, die dem toten Haustier oder der verlorenen Sache nur drei Wochen hinterher trauern, weil sie sich im Bezug auf Haustiere zum Beispiel sagen, dass es okay ist, denn die Lebenszeit dieser ist eh begrenzter als unsere. Das heißt, der Mensch ist sich im Klaren, dass es so sein kann und kommen wird. Der nächste Mensch, ebenfalls mit dem gleichen Wissen über die Lebenszeit des Haustieres, hingegen trauert zum Beispiel drei Monate, oder ein Jahr und wieder ein anderer trauert sein ganzes Leben lang seinem Haustier nach.

Dieses Phänomen kann man auch gern bei Beziehungen betrachten. Sofern man einen Menschen wirklich liebt, ist der Verlust eben schmerzhaft. Der ein oder andere Mensch ist ein Verlust, dessen Schmerz sich nur Wochen hinzieht, aber ich denke fast jeder Mensch kennt auch diesen Art von Menschen, dessen Verluste man sein ganzes Leben nicht vergisst. Das sind emotionale Reaktionen und absolut normal. Nichts, was den einen Menschen mehr wert gibt oder weniger. Jemanden nicht loslassen zu können passiert jedem, egal ob mit Depression oder ohne. Ich habe so einen Menschen erst letztes Jahr kennen gelernt und werde seinen Klang auch nie ganz überwinden.

Und ähnlich verhält sich die Depression. Sie ist unterschiedlich. Jeder empfindet sie anders. Es gibt Menschen, die sagen von sich, dass sie geheilt sind und die Depression überwunden haben und wenn das passiert, dann ist das wunderschön und ich freue mich für diese Menschen. Ich respektiere sie sogar sehr dafür, dass sie ihren Weg gegangen sind, wie sie ihn gingen und zurück fanden in das Leben ohne. Aber und auch das ist wieder eine persönliche Meinung, ich denke nicht, dass Depression wirklich heilbar ist. Ich denke eher, dass die Menschen einfach Wege gefunden haben mit dieser umzugehen. Am Ende ist es aber egal was richtig ist und was nicht. Hauptsache der Mensch ist wieder im Leben und steht zu all dem wie es ist. Mehr braucht es doch gar nicht..

Depressionen sind also nach wie vor unterschiedlich. Ähnlich wie Leid und Trauer gibt es sie eben entweder in Phasen (depressiven Episoden ; ich hasse diesen Begriff..) oder als dauerhaften Beigeschmack im Leben. Sie ist mal intensiver, mal schwächer, aber nie ganz weg. Was ich deshalb nicht verstehe ist, warum Menschen denken, dass man mit einer Depression Dinge wie „Glück“ nicht kennen kann oder warum man mit Depressionen nicht davon reden kann, dass es einem gut geht. Ich kann da jetzt zum Beispiel nur von mir reden. Ich bin in das Jahr 2019 sehr beschissen gestartet, befand mich an einem Tiefpunkt mit aufgeschnittenen Armen und dem Wunsch zu sterben, weil ich jemanden verloren habe, der mir sehr viel bedeutet hat. Ich sank in meiner Trauer so tief, dass ich nicht mehr zurecht kam und mir intensivere Hilfe suchen musste. Die meisten hier wissen ja, dass ich in Behandlung bin und diese mir auch gut tut. Allerdings war ich einfach an einem Punkt wo ich meinen Blickwinkel ändern musste und das tat ich. Ich bin grundlegend ein sehr ehrgeiziger Mensch und oft denke ich eher an andere als an mich. Der Gedanke, dass der ein oder andere Mensch traurig wäre, wenn ich mir wirklich das Leben nehme, macht mich selbst traurig und gibt mir eine komische Art von Kraft für den nächsten Schritt.. Also ja vielleicht halte ich nur durch, wegen dieser Menschen, aber diese Menschen halten mich auch und da rede ich nicht von aus.

Das Ding ist einfach, dass ich meinen Kurs neu navigiert habe und mich mit vielen Dingen auseinander setzen musste, was ich nicht wollte. Vieles ist schief gelaufen und wenn ich mir heute alles so ansehe bin ich froh, dass ich diesen Weg gegangen bin und mich die Menschen dabei unterstützten. Fakt ist aber auch, dass nicht jeder Mensch Hilfe annehmen kann. Manche Menschen geben Aufgaben zum Beispiel nicht ab, weil sie es selbst machen müssen und auch das ist etwas, worunter viele Depressive leiden. Zwar nehmen sie Hilfe in Anspruch, aber in wie weit sie diese umsetzen können, liegt im eigenen Ermessen. Das ist als wenn ich Person X sage, wie er Kartoffeln schälen soll, aber er seine eigene Methode hat.

Schlimm ist eben, dass immer darüber geurteilt wird. Ich weiß dass der Umgang mit Menschen die unter Depressionen leiden schwer ist und dass man manchmal gar nicht mehr weiß, was man noch sagen soll oder wie man helfen kann. Zugegeben geht es mir im Umgang mit anderen Depressiven tatsächlich ähnlich. Natürlich kann ich das mit denen reflektieren und wir können darüber reden und so weiter, aber der Schritt muss vom Menschen kommen. Der kommt nicht von „Denk doch mal positiver“ oder „Stell dich nicht so an“. Im Gegenteil diese Sätze geben einem noch mehr das Gefühl, dass man nicht normal ist und eine Belastung oder ähnliches. Oft reicht es einfach nichts zu sagen und zuzuhören. Jedenfalls hilft es mir und ich bin froh, dass in meinem Umfeld niemand ist, der solche Dinge zu mir sagt.

Nun komme ich aber irgendwie vom Thema gefühlt ab. Keine Ahnung. Im Groben habe ich die Punkte abgearbeitet, die ich loswerden wollte. Ich danke euch fürs Lesen und hoffe der ein oder andere Mensch versteht das nun besser. Bitte achtet einfach auf euren Umgang. Klar ist es manchmal für einen selbst, lächerlich, woran ein anderer zerbricht, aber nehmt das ernst. Gebt den Menschen nicht das Gefühl, dass es Schwachsinn ist. Vor allem nicht denen, die ihr liebt. Und überhaupt, hört auf darüber zu urteilen, was Leute auf Twitter über ihre Depressionen schreiben. Ihr seid deren Weg nicht gegangen und sie sind euren nicht gegangen.

Also abschließend nochmal der wichtigste Hinweis von allen: Nehmt Menschen ernst, wenn sie wegen etwas traurig sind und vergesst nicht, dass Leid eben unterschiedlich ausfallen kann. 

Vielen Dank. Küsse und schönes Wochenende.

– Yvonne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s